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Forschung


Evaluation berufsbezogener Maßnahmen in der psychosomatischen Rehabilitation - Arbeitstherapie und interne Belastungserprobung im "Buchauer Modell"

Epple, N. (1), Oster, J. (2), Müller, G. (3), von Wietersheim, J. (2) (1) Buchtal-Klinik, Albstadt-Tailfingen, (2) Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universität Ulm, (3) Schlossklinik Bad Buchau

Hintergrund und Ziele Von der Deutschen Rentenversicherung werden berufsbezogene Interventionen ausdrücklich gefordert (Hillert, Koch, 2009) und mittlerweile in den meisten primär durch die Rentenversicherung belegten Rehabilitationskliniken durchgeführt. Eine Systematisierung dieser Maßnahmen liegt inzwischen vor, allerdings fällt weiterhin eine große Heterogenität sowie die häufig fehlende empirische Fundierung auf (Neuderth et al., 2006). In der Schlossklinik Bad Buchau werden Arbeitstherapie und interne Belastungserprobung seit 1995 durchgeführt und ständig weiterentwickelt. Diese Maßnahmen besitzen damit unter der Bezeichnung "Buchauer Modell" bereits Tradition, die wissenschaftliche Evaluation dieser Maßnahmen stand bisher aus. Das Hauptziel der hier vorgestellten Studie war nun die Untersuchung der Wirksamkeit dieser Interventionen. Die Hauptfragestellungen bezogen sich auf die Bewertung der berufsbezogenen Interventionen durch die Patienten, den Einfluss der Maßnahmen auf die Arbeitsmotivation und Leistungsfähigkeit, sowie Variablen, die den Erfolg dieser arbeitstherapeutischen Maßnahmen beeinflussen.

Methodik

Die Studie erfolgte in einem kontrollierten Design mit den drei Studiengruppen Arbeitstherapie, Belastungserprobung und Kontrollgruppe. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten während ihres Aufenthaltes keine der beiden untersuchten berufsbezogenen Maßnahmen. Die Indikation für die Arbeitstherapie und die Belastungserprobung wurde durch die Therapeuten der Patienten gestellt. In die Teilnahme an der Studie willigten 215 Patienten ein. Bei den Patienten, die an der Studie teilnahmen, handelt es sich um eine beruflich hoch belastete Gruppe. Hierfür spricht das mit 45,6 Jahren vergleichsweise hohe Durchschnittsalter (Koch et al., 2007; Beutel et al., 2005). Zudem standen zum Aufnahmezeitpunkt lediglich 30 % der Teilnehmer in einem Arbeitsverhältnis. Die verbleibenden 70 % waren zu dieser Zeit längerfristig krankgeschrieben (>3 Monate), arbeitslos oder anderweitig ohne berufliche Beschäftigung. Weiterhin waren zwei Drittel der Teilnehmer ungelernte oder gelernte Arbeiter. Für diese, ehemals der Arbeiterrentenversicherung zugeordnete, Berufsgruppe ist eine deutliche Häufung beruflicher Belastungsfaktoren nachgewiesen (Müller-Fahrnow, Radoschewski, 2009). Datenerhebungen fanden zu den vier Zeitpunkten Aufnahme und Entlassung sowie drei und zwölf Monate nach Abschluss der Behandlung statt. Während des Aufenthalts wurden Daten von Patienten und Therapeuten mit Fragebögen erhoben. Die Nachuntersuchungen geschahen in Form von Telefoninterviews. Auswertungen erfolgten im Quer- und Längsschnitt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass beide Maßnahmen positiv erlebt wurden. Das therapeutische Angebot Arbeitstherapie wurde jedoch positiver eingeschätzt wurde als die primär diagnostische Maßnahme Belastungserprobung. In beiden Gruppen steigerte sich die Leistungsfähigkeit aus Sicht der Patienten, das Niveau war in der Gruppe Arbeitstherapie jedoch höher. Hier ergaben sich auch Hinweise auf eine Verbesserung der Arbeitsmotivation. Der Vergleich von Patienteneinschätzungen mit den Einschätzungen durch Therapeuten ergab Gruppenunterschiede. So zeigt sich für die Teilnehmer der Arbeitstherapie zum Aufnahmezeitpunkt eine mittlere Übereinstimmung zwischen der Selbst- und der Therapeuteneinschätzung des Rentenwunsches. Zum Entlasszeitpunkt zeigt sich hier eine mittlere Übereinstimmung zwischen der Patienteneinschätzung und dem Diagnostikerurteil hinsichtlich der Leistungsfähigkeit. Diese Zusammenhänge ließen sich jedoch nicht in der Gruppe Belastungserprobung nachweisen, d. h. Patientenurteil und Therapeutenurteilen sind hier deutlich unterschiedlich. Für ein Drittel der Studienteilnehmer, die das berufsbezogene Angebot Arbeitstherapie erhielten, konnte ein Rehaerfolg im Sinne einer beruflichen Wiedereingliederung festgestellt werden. Als prognostisch günstig für die berufliche Weiterentwicklung erwiesen sich ein gering ausgeprägter Rentenwunsch, ein eher jüngeres Alter sowie eine weniger schwer ausgeprägte psychogen-körperliche Beeinträchtigung aus Therapeutensicht.

Schlussfolgerung

Insgesamt sprechen die Ergebnisse für eine gute Akzeptanz und Wirksamkeit der berufsbezogenen Interventionen.

Quelle: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de


"Die Ergebnisse der Studie sprechen für eine Wirksamkeit der Arbeitstherapie."

"In der Arbeitstherapie finden sich auch Hinweise auf eine Verbesserung der Arbeitsmotivation."

Quelle: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de


Studie zu arbeits- und berufsbezogenen Maßnahmen im Therapiezentrum Federsee. Arbeits- und berufsbezogene Maßnahmen besitzen im Therapiezentrum eine lange Tradition. Bereits seit 1995 werden Belastungserprobungen durchgeführt. 2001 wurde das "Buchauer Modell" mit arbeitsstherapeutischen Inhlaten installiert. Das "Buchauer Modell®" bildet mit seinen diagnostischen und therapeutischen Bausteinen ein ganzheitliches arbeitstherapeutisches Konzept auf der Grundlage der ICF. Angesichts der Hauptzielsetzung der Rehabilitation verbunden mit Gutachtenbeauftragung an die verantwortlichen Behandler und aufgrund des Stellenwertes der Erwerbstätigkeit in der Gesellschaft und im Leben des Einzelnen sind Arbeit/Beruf und Gesundheit bzw. Krankheit die zentralen Themen in der Rehabilitation. Von Beginn an war und ist es unser Anliegen die Behandlungsqualität im Dienste unserer Patienten und entsprechend der Zielsetzung der Kostenträger kontinuierlich zu verbessern. Daher steht das „Buchauer Modell®“ mittlerweile für ein differenziert ausgearbeitetes therapeutisch-diagnostisches Angebot, dessen Kern die Arbeitstherapie und die (interne) Belastungserprobung bilden. Diese beiden Angebotsformen stellen seit der Einführung des neunten Sozialgesetzbuchs im Juni 2001 gesetzlich geforderte Bestandteile der Leistungen medizinischer Rehabilitation dar. Zumindest seit diesem Datum rückten in die medizinische Rehabilitation integrierte berufliche Maßnahmen ins Zentrum der Aufmerksamkeit sowohl der Praxis als auch der Forschung.

 

Zwischenbericht zum Projekt „Spezifische Effekte und Indikationskriterien berufsbezogener Therapieangebote im Rahmen der psychosomatischen Rehabilitation von chronifizierten Patienten“ Methode: Das Vorgehen nach einem Kontrollgruppen-Design umfasst vier Erhebungszeitpunkte (Beginn und Ende der Heilbehandlung sowie telefonische Nachbefragungen 3 und 12 Monate nach Abschluss der Behandlung). Im Rahmen der ersten Nachuntersuchung konnten 139 der ursprünglich 168 Studienteilnehmer telefonisch befragt werden. Erste Zwischenergebnisse werden an dieser Stelle berichtet. Zwischenergebnisse: Die Hypothese, dass das therapeutische Angebot Arbeitstherapie positiver bewertet wird als die vorwiegend diagnostisch ausgerichtete Belastungserprobung kann aufgrund dieser Daten bestätigt werden: 83% der AT-Teilnehmer im Vergleich zu 63% der BE-Teilnehmer geben zum Katamnesezeitpunkt an, die Maßnahme habe ihnen gefallen, 69% der AT-Gruppe bewerten das Angebot als hilfreich im Unterschied zu 22,5% der Patienten der BE-Gruppe. Im Anschluss an die Heilbehandlung erhielten 31,3% der Patienten der therapeutischen Gruppe und 12,5% der diagnostischen Gruppe weiterführende berufliche Unterstützungsmaßnahmen, Rente aufgrund Erwerbsminderung erhalten mittlerweile acht der 139 Studienpatienten, vier davon sind der BE zugeordnet, je zwei stammen aus den beiden anderen Gruppen. Anhand von Mittelwertsvergleichen konnten die folgenden Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen festgestellt werden: Die Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit in der AT-Gruppe fällt sowohl zum Beginn der Rehabilitationsmaßnahme als auch bei Beendigung signifikant besser aus als diejenige der BE-Gruppe, obwohl in beiden Gruppen eine Verbesserung festzustellen ist. Ebenso zeigt sich eine höhere selbst eingeschätzte allgemeine und auch berufliche Leistungsfähigkeit bezogen auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit ebenso wie bezogen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Keine bedeutsamen Unterschiede fanden sich zur Arbeitszufriedenheit, zur berichteten Belastung durch die Arbeit sowie in den Aussagen zur Rehamotivation. Signifikant unterschiedlich erwiesen sich die Therapeuteneinschätzungen der Gruppen zum Aufnahmezeitpunkt hinsichtlich der Skalen ‚psychogene körperliche Beeinträchtigung’, ‚Behandlungsmotivation’ und ‚Rentenwunsch’. Daten zum Beschäftigungsstatus bei Aufnahme zeigen die ausgeprägte berufsbezogene Problematik der Studienteilnehmer: lediglich 25% (22) der Versuchsgruppenteilnehmer waren zum Aufnahmezeitpunkt vollschichtig erwerbstätig, 25% (22) waren arbeitslos gemeldet und rund 40% krankgeschrieben. Die durchschnittliche Arbeitsunfähigkeitsdauer in den zurückliegenden 12 Monaten lag zu Rehabeginn Patientenangaben zufolge in der AT-Gruppe zwischen 3 und 6 Monaten, in der BE-Gruppe sogar über 6 Monaten. Diskussion: Es liegen erste hypothesenkonforme Ergebnisse der Studie vor. Die Auswertung anhand von Vergleichen mit Kontrollgruppendaten sowie bezüglich der Erfolgsmaße wird derzeit durchgeführt. Eine Vorstellung dieser Ergebnisse im Rahmen von Vorträgen ist geplant. Hintergrund und Zielsetzung: Seit April 2007 führt die Schlossklinik Bad Buchau im Rahmen der Kooperation mit der Universität Ulm das durch die Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg geförderte o.g. Projekt durch. Zielsetzung dieser Studie ist die wissenschaftliche Überprüfung der im Rahmen des „Buchauer Modell®“ angebotenen Arbeitstherapie und Belastungserprobung im Hinblick auf das Erleben der Patienten und auf die Wirksamkeit hinsichtlich verschiedener Ergebniskriterien. Die Ergebnisse sollen die aktuelle Qualität dieser Maßnahmen erfassen und Ansatzpunkte zu deren weiterer Verbesserung liefern.

Das Projektende ist geplant zum März 2009. Dipl.-Psych. Nicola Epple

Ergebnisse zur Studie: http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortalWeb/ressource?key=Epple-S2-Di-1410-04.pdf

Ansprechpartner

Prof. Dr. Jörg Oster

Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Am Hochsträß 8

D-89081 Ulm

Tel. 0731 500 61841

Fax 0731 500 61822

www.uniklinik-ulm.de/psychosomatik